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Kompakt - Archiv
 

Mediales Pokerface
Manche zitieren jetzt wieder Botho Strauß‘ „Anschwellenden Bocksgesang“ (Spiegel 6/1993) als Vorboten der gefühlten gesellschaftlichen Erosion. Zu den ganz wenigen Sätzen der konservativen Erweckungsprosa, denen man zur Not zustimmen könnte, gehören folgende: „Überhaupt ist es pikant, wie gierig der Mainstream das rechtsradikale Rinnsal stetig zu vergrößern sucht, das Verpönte immer wieder und noch einmal verpönt, nur um offenbar immer neues Wasser in die Rinne zu leiten, denn man will's ja schwellen sehen, die Aufregung soll sich ja lohnen. Das vom Mainstream Missbilligte wird von diesem großgezogen, aufgepäppelt, bisweilen sogar eingekauft und ausgehalten. Das mediale Pokerface und die verzerrte Visage des Fremdenhassers bilden den politischen Januskopf - denn alles im Politischen lässt sich seitenverkehrt in einem Kopf vereinen.“

 

Zum Thema "Mediales Pokerface": Griechische Theatermaske aus Terracotta, 4. oder 3. Jahrhundert vor Christus.
Foto: Giovanni dall'Orto, commons.wikimedia.org

   

 
Kontrollierte Stärke
Sascha Lobo auf spiegel.de, gelesen am 16.6.2020: „Wenn Nazihorden ein türkisches Geschäft oder ein jüdisches Gotteshaus überfallen, ist eine starke, aber hart demokratisch kontrollierte Polizei die Lösung und nicht das Problem. Stark bedeutet im 21. Jahrhundert, dass die Polizei ihren eigenen, demokratischen Ansprüchen auch dann genügt, wenn im Zweifel alles transparent ist oder öffentlich wird. Diese Form der kontrollierten Stärke führt nämlich zu exponentiell größerem Vertrauen der Öffentlichkeit.“