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Fünf Fundstücke
 

Kontrollierte Stärke
Sascha Lobo auf spiegel.de, gelesen am 16.6.2020: „Wenn Nazihorden ein türkisches Geschäft oder ein jüdisches Gotteshaus überfallen, ist eine starke, aber hart demokratisch kontrollierte Polizei die Lösung und nicht das Problem. Stark bedeutet im 21. Jahrhundert, dass die Polizei ihren eigenen, demokratischen Ansprüchen auch dann genügt, wenn im Zweifel alles transparent ist oder öffentlich wird. Diese Form der kontrollierten Stärke führt nämlich zu exponentiell größerem Vertrauen der Öffentlichkeit.“

In Windeln
In der „Zeit“ vom 20.5.2020 wird Paul Auster im Interview auch nach seinem Präsidenten befragt. Er stellt die Gegenfrage: „Haben Sie Kinder?“ Der Gesprächspartner Klaus Brinkbäumer antwortet „Ja“ und erhält dann folgende Auskunft: „Dann wissen Sie, dass Zweijährige sich im Zentrum de Welt sehen, alle Aufmerksamkeit brauchen. Fünfjährige sind schon halbwegs vernünftig. Nummer 45 ist immer noch zwei Jahre alt, in Windeln, den Löffel gegen den Hochstuhl hämmernd. Wir sehen einem Kranken zu.“

Don’t tell me facts
In einem Interview mit dem Branchenmagazin „Journalist*in“ (05/20) bekennt sich Marietta Slomka zur boulevardesken Leichtigkeit: „Auch ein politisches Interview darf entertaining sein.“ Sie findet sich selbst ziemlich gut, „weil ich immer den widersprechenden Hut aufhabe“. Sie sagt: „Ich bereite jedes Gespräch so lange und gründlich wie möglich vor.“ Offenbar ist es aber nicht immer möglich, denn das Gabriel-Interview zur Mitgliederbefragung der SPD, für das sie bis heute von interessierter Seite gelobt wird, spiegelte eigentlich einen ganz anderen, unjournalistischen Grundsatz wider: „Don't tell me facts, I've made up my mind!“

Mediales Pokerface
Manche zitieren jetzt wieder Botho Strauß‘ „Anschwellenden Bocksgesang“ (Spiegel 6/1993) als Vorboten der gefühlten gesellschaftlichen Erosion. Zu den ganz wenigen Sätzen der konservativen Erweckungsprosa, denen man zur Not zustimmen könnte, gehören folgende: „Überhaupt ist es pikant, wie gierig der Mainstream das rechtsradikale Rinnsal stetig zu vergrößern sucht, das Verpönte immer wieder und noch einmal verpönt, nur um offenbar immer neues Wasser in die Rinne zu leiten, denn man will's ja schwellen sehen, die Aufregung soll sich ja lohnen. Das vom Mainstream Missbilligte wird von diesem großgezogen, aufgepäppelt, bisweilen sogar eingekauft und ausgehalten. Das mediale Pokerface und die verzerrte Visage des Fremdenhassers bilden den politischen Januskopf - denn alles im Politischen lässt sich seitenverkehrt in einem Kopf vereinen.“

Einer von gestern
Josef Dörr hält sich laut Selbstauskunft im Landtagshandbuch selbst für einen Wissenschaftler. Der AfD-Fraktionsvorsitzende ist aber in Wahrheit ein Ignorant. Vor der Landespressekonferenz sagte er am 15.6.2020: „‘Rasse‘ steht im Grundgesetz drin, weil es Rassen gibt. Und niemand soll durch seine Rasse einen Nachteil haben; daher ist es auch ausdrücklich so geschrieben und sollte nicht gestrichen werden.“ Dem Mann sei die von Wissenschaftlern verbreitete „Jenaer Erklärung“ (2019) empfohlen. „Das Konzept der Rasse ist das Ergebnis von Rassismus und nicht dessen Voraussetzung“, heißt es darin. Und weiter: „Die Verknüpfung von Merkmalen wie der Hautfarbe mit Eigenschaften oder gar angeblich genetisch fixierten Persönlichkeitsmerkmalen und Verhaltensweisen, wie sie in der Blütezeit des anthropologischen Rassismus verwendet wurden, ist inzwischen eindeutig widerlegt. Diese Argumentation heute noch als angeblich wissenschaftlich zu verwenden, ist falsch und niederträchtig.“
 

 

Zum Thema "Einer von gestern": Beim Heimattag 1937 in Homburg gehörte die rassistische Verhöhnung von Juden zu den Attraktionen. "Gute Reise!" grölte die Menge, als die verkleidete Fußgruppe vorbeimarschierte. Das Bild ist einer Publikation der "Aktion 3. Welt Saar" entnommen.
Broschüre im pdf-Format